Die Geschichte des Altenbürener Kreuzwegs am Windsberg.

Ein christliches Zeugnis aus vergangener Zeit.

von Willi Mester

584 Meter hoch ist der Windsberg nördlich von Altenbüren gelegen, auf dessen Gipfel ein großes Eichenkreuz mit einem über 130 Jahre alten menschengroßen Christuskorpus steht. Geschnitzt wurde dieser Korpus im 19. Jahrhundert von einem Warsteiner Künstler.

Der Windsberg war einst in der Phantasie der hier lebenden Menschen ein mit Sagen um- wobener Berg, dessen Geheimnisse unsere Vorfahren aber mit ins Grab genommen haben. An seinem Fuß steht ein frommer Bildstock, der erste der sogenannten sieben Fußfälle. So nannte man in früheren Zeiten einen Kreuzweg mit sieben Stationen. Die weiteren Stationen stehen in einigen Abständen am steilen und beschwerlichen Aufstieg zum Gipfel dieses Berges. Wahrlich ein Kreuzweg!

Sieben kunstvoll gestaltete, aus Anröchter Sandstein geschaffene Bildstöcke aus dem 18. und frühen 19, Jahrhundert künden auch heute noch von der christlichen Vergangenheit unserer Vorfahren.

Der Ursprung und die Geschichte der Bildstöcke beginnt im Jahre 1756, denn diese Jahreszahl steht in Stein gemeißelt, auf den beiden ältesten dieser Kulturdenkmäler. Die anderen datieren aus den Jahren 1783, 1810, 1811, 1819, 1826.

Die Neugestaltung um die Bildstöcke wurde 2019 durch die Briloner Bürgerstiftung finanziell unterstützt.  

Infos zur Briloner Bürgerstiftung hier: www.briloner-buergerstiftung.de

Gottesgläubige Menschen, die damals schwierige Zeiten wie Hungersnot, Krieg und Pest ertragen mußten, gelobten dem Herrgott, wenn er sie diese Notzeiten überleben ließe und künftige Gefahren von ihnen abwendete, ihm zu Ehren einen frommen Bildstock zu errichten. Sie bauten sie in die offene Feldflur, an den Rand ihres Ackers.

Der Siebenjährige Krieg, 1756 bis 1763, hatte auch Altenbüren in Mitleidenschaft gezogen. Requisitionen, Einquartierungen, Plünderungen und Brandschatzungen durch bewaffnete Söldner waren oft an der Tagesordnung. Im Jahre 1760 gab es im Dorf keine Pferde mehr, sie waren requiriert worden. 1761 hatten die Leute in der ganzen Gegend unter einer großen Hungersnot zu leiden, und 1763 herrschte im Dorf eine ansteckende Pest unter den Kühen, die mehr als 200 von ihnen dahinraffte. Diese Not veranlaßte die Menschen immer wieder, bei Gott Hilfe zu erbitten. Um ihn gnädig zu stimmen, gelobten sie, ihm zu Ehren Bildstöcke in die Feldflur zu bauen.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden sieben von ihnen an den Windsberg versetzt, um daraus einen Kreuzweg zu errichten, die sieben Fußfälle. Ob es im Feld noch mehr davon gab, ist heute nicht mehr nachzuforschen.

Der Windsberg wurde zu dieser Zeit,- um ca. 1870-75 neu eingepflanzt, dabei habe man auch die Bildstöcke aus dem Feld, an den Berg gesetzt. So hat es die alte Frau Morgenroth, geborene Franke, ihrem Enkelsohn Günter Morgenroth in seinen Kinderjahren erzählt. Sie habe selbst als junges Mädchen bei der Einpflanzung geholfen.

Auf den Gipfel setzte man das große Kreuz, das weit, bis in alle Himmelsrichtungen, sichtbar war.

Im Jahre 1931 wurde damit begonnen, den Kreuzweg auf vierzehn Stationen zu erweitern. Vom Eingang des Friedhofs bis zum Fuße des Windsbergs setzte man weitere sieben, aber weniger wertvolle Häuschen an den Rand des Weges durch die „Rote Kuhlen“.

Während des Zweiten Weltkrieges gingen die Leute aus Altenbüren immer den Kreuzweg, wenn die Nachricht vom Tod eines Soldaten aus der Gemeinde eingetroffen war. In den Jahren 1944 und 1945 war dies aber nicht mehr möglich, da es zu gefährlich geworden war, sich im freien Feld dem Beschuss der anglo-amerikanischen Tiefflieger auszusetzen.

Nach dem Krieg lebte diese Tradition wieder auf. Man betete den Kreuzweg nun in der Erinnerung und zum Gedenken an die Zerstörung des Dorfes Altenbüren am zweiten Ostertag 1945 und für die Opfer, die dieser Krieg gefordert hat.

Das blieb so, bis daß der Altenbürener Wald nach der kommunalen Neugliederung im Jahre 1975 in den Besitz der Stadt Brilon kam. Schon kurze Zeit später begann die Stadt, den über hundert Jahre alten Fichtenbestand des Windsbergs abzuholzen. Bei diesem Kahlschlag, vor allem aber bei der Holzabfuhr wurden die sieben Bildstöcke stark beschädigt und einige von ihnen einfach umgerissen und liegengelassen. Den Kreuzweg konnte man lange Zeit nicht gehen, weil kreuz und quer liegende Bäume und Zweige dies unmöglich machten. Bis in die 80er Jahre dauerte dieser Zustand. Niemand kümmerte sich darum und keiner fühlte sich verantwortlich.

Auf Drängen und Bitten einiger Altenbürener Bürger bei der Stadtverwaltung in Brilon, die alten Bildstöcke wieder Instand zu setzen und in die Denkmalliste eintragen zu lassen, fand endlich Gehör. Ende 1982 wurde dieser Bitte durch das Westfälische Amt für Denkmalschutz, mit Schreiben vom 21. Dezember an die Stadt entsprochen.

Der Kreuzweg wurde daraufhin von der Stadt Brilon wieder hergerichtet.

Durch die Möglichkeit, hierbei auch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) einzusetzen sowie Fördermittel von Bund, Land und Kreis zur Rettung von Bildstöcken und Wegekreuzen durch den Sauerländer Heimatbund zu erhalten, bekam der Altenbürener Kreuzweg sein heutiges Aussehen. Das Umfeld der Stationen wurde in die Maßnahme mit einbezogen.

Das Gipfelkreuz ließ der Altenbürener Kirchenvorstand im Jahre 1986 neu gestalten, und der Christuskorpus wurde restauriert. Nach dessen Fertigstellung trug man den Korpus in einer feierlichen Prozession von der Pfarrkirche bis zum Gipfel. Alle Vereine und Gemeinschaften des Dorfes nahmen daran teil und wechselten sich beim Tragen ab. Pfarrer Wagner weihte die Stationen und auch den neu gestalteten Kreuzweg ein. Patenschaften übernahmen spontan dessen Pflege.

Es ist nun zur Tradition geworden, den Kreuzweg alljährlich am Karfreitag zu gehen und zugleich die Erinnerung an den 2. April 1945 wachzuhalten. Er wird bei jeder Witterung gegangen, und eine große Anzahl Gläubiger, vor allem Jugendliche, nimmt daran teil. Bei jeder Station wird angehalten, gebetet, und ein jeder bringt sein persönliches Anliegen mit ein.

Die Altenbürener Frauengemeinschaft (KFD) hat es sich ebenfalls zur Tradition gemacht, im Sommer eines jeden Jahres den Kreuzweg zum Windsberg zu gehen.

Oft ist es ein einsamer Wanderer oder auch eine kleinere Gruppe, die den steilen Weg hinauf zum Gipfel wandert, um an den alten Bildstöcken einen Moment zu verweilen, zu beten und den Leidensweg und den Tod Christi am Kreuz betrachten.

Allerdings hat der Zahn der Zeit an den alten Stationen sehr genagt. Verwitterung und Moosansatz haben den Sandstein angegriffen, Die eingemeißelten Reliefs und Schriftzüge waren kaum noch zu deuten.

Durch die Initiative des Ortsvorstehers Heinz Meyer und der Spendenfreudigkeit der Altenbürener Bürger konnten diese Kulturdenkmäler in den Jahren 1999 und 2000 von Grund auf fachmännisch restauriert werden.

Wer heute den Altenbürener Kreuzweg geht und den Aufstieg zum Gipfel in Kauf nimmt, verweilt sicherlich eine Weile vor jedem der kleinen Heiligtümer. Seine Gedanken werden zu den Stiftern in die alte Zeit zurückführen, was sie damals dazu bewogen haben mag und was sie uns heute noch mitzuteilen haben.

Denn wer in der Zukunft lesen will, muß erst in der Vergangenheit blättern. Unsere Vorfahren haben mit diesen stummen Zeugen aus alter Zeit dem Dorf Altenbüren ein Denkmal hinterlassen, das uns Dankbarkeit und Verpflichtung zugleich sein sollte.