Gedenktag 2015

Rede des Ortsvorstehers Heinz Meyer am Soldatenkreuz 70 Jahre 2015

Wir haben uns hier getroffen, um uns der Geschehnisse vor 70 Jahren hier in Altenbüren zu erinnern.
Vorab ein wenig aus der Geschichte der Zeit, die der Grund dafür ist, dass wir heute hier stehen.
Am Gründonnerstag, den 29. März 1945 drangen amerikanische Panzerverbände in den Süden des Kreises Brilon ein. Die heutige B 7 war mit flüchtenden Soldaten, Sanitätskolonnen, Nachschubeinheiten und freigewordenen französischen, russischen und polnischen Kriegs-
gefangenen überfüllt. Am Nachmittag wurde Brilon von den Amerikanern besetzt.
In Altenbüren wurde vom Volkssturm und vom Reichsarbeitsdienst Widerstand geleistet.
Es blieb ruhig bis Ostermontag, den 2. April. Morgens während der heiligen Messe schlugen Granaten in das Kirchendach ein und verletzten einige Kinder. Der Feuerüberfall hörte nach wenigen Minuten auf. Gegen 15,00 Uhr näherten sich amerikanische Panzer und Infantrie dem Dorf. Gleichzeitig setzte von Brilon her Artilleriebeschuss ein. Als den anrollenden Panzern, Granatwerfer und Maschinengewehrfeuer entgegenschlug, antworteten diese mit Brandgranaten, die dann 27 Häuser in Brand setzten. Dieses alles ist nur geschehen, weil ein einzelner Ritterkreuzträger der Wehrmacht das Dorf verteidigen wollte - seine Worte waren : Und wenn in Altenbüren kein Stein auf dem Anderen bleibt. ----
Die Menschen waren in die umliegenden Wälder und nach Esshoff geflüchtet. Ein Grossteil der Flüchtenden war auch im Stollen am Windsberg und in der Altenbürener Mühle. So steht geschrieben, dass die Müllerleute alles gaben was sie hatten, um den 185 Kindern, Alten und Kranken zu helfen.
Um 17,00 Uhr nahmen die Amerikaner das Dorf ein. Alles was bis dahin nicht in Sicherheit gebrach werden konnte, wurde geplündert. Damit war die schlimmste Zeit in der Altenbürener Geschichte vorbei.
Unter den Familien von Altenbüren waren in Kriegsjahren von 1914 – 1918 und von 1939 – 1945 insgesamt 46 Gefallene und 21 vermisste Soldaten zu beklagen. Alleine am 2. April 1945 sollen in und um Altenbüren insgesamt 100 Menschen umgekommen sein. So hat dieser unselige Krieg vor 70 Jahren auch viel Leid und Elend unter die Bevölkerung von Altenbüren gebracht.

Jetzt wollen wir aller Gefallenen und Vermissten gedenken, auch derer, die auf diesem Soldatenfriedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Ihre Namen sind : Ernst Brandilla, Wilfried Steinkühler, Max Marschner, Josef Kirbs, Franz Zackowski, Hermann Panzel, Albert Kaspareit, Kurt Sasse, Rolf Offers, Karl Engels, auch ein unbekannter Soldat ist dabei, Wilhelm Maydak, Hans Blechschmidt, Wilhelm Sommer, Hans Rombey, Franz Hiss und Josef Schmidt. Diese Soldaten haben bei den Kämpfen um Altenbüren am 2. April 1945 ihr Leben verloren. Sie, und  alle anderen haben in den zwei unseligen Weltkriegen ihr Leben im Glauben an ihre Heimat geopfert. Viele von ihnen haben ihre letzte Ruhestätte  jetzt nah und fern der Heimat unter schlichten Holzkreuzen oder einem vergessenen Hügel.
Aus der Generation denken noch viele an den letzten Händedruck, an das hoffnungsvolle „ Auf Wiedersehen“ beim Abschied--- doch sie kamen nicht wieder. Ihr Name, tief in Stein gehauen sagt uns, dass sie unter uns gelebt haben.
Ein Kreuz, schlicht und einfach, ragt über ihren Gräbern empor und zeugt von ihren Opfern für das Vaterland. Möge dieses Kreuz nicht nur ein Denkmal, sondern auch ein Mahnmal an die Politiker sein, dass Krieg niemals das richtige Mittel ist, um irgendetwas durchzusetzen. Es liegt jetzt an uns, aus der Vergangenheit zu lernen, damit nie wieder die Mutter um den Sohn und die Frau um den Mann trauern muss.
Wenn uns das gelingt, können wir auch in Zukunft mit Achtung vor dieses Kreuz hintreten mit dem stillen Gedanken : Es waren Kameraden, die ihr wertvollstes was sie hatten für uns und ihr Vaterland gegeben haben „ Ihr Leben“.
Schließen möchte ich mit diesen Worten:
Es sind die Lebenden, die den Toten die Augen schließen.
Es sind die Toten, die den Lebenden hoffentlich die Augen öffnen, damit es irgendwann auf der ganzen Welt heißt : Frieden und nie wieder Krieg.
Wir legen jetzt mit den Klängen vom guten Kameraden den Kranz nieder.

Rede des Diakons Manfred Becher

Manchmal scheint die Welt still zu stehen. Nichts ist mehr wie es war und man weiß nicht, wie es weitergehen soll.
Das Leben verschlägt einem die Sprache.
Das galt auch vor nunmehr 70 Jahren - in den Kar- und Ostertagen des Jahres 1945 - hier bei uns in Altenbüren.
Volkssturm und Reichsarbeitsdienst leisteten für die Nazi- Schergen den letzten Widerstand. Ostermontag, während der Heiligen Messe, schlugen Granaten in das Kirchendach und verletzten einige Kinder. Alleine an diesem Ostermontag sind in und um Altenbüren insgesamt 100 Menschen umgekommen.
Niemand kann sich aus eigener Kraft von der Last seiner Vergangenheit befreien. Niemand entlastet sich selbst, weder einzelne noch Völker. Um frei zu werden bedarf es eines anderen, der uns eine Chance eröffnet.
Und tatsächlich kann die Vergangenheit eine Last sein, die uns einengt und bedrückt.
Heute, 70 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges, liegt es nahe, zunächst an die deutsche Geschichte zu denken, an die schrecklichen Ereignisse hier in Altenbüren, unsere gemeinsame Vergangenheit.
Was in unserem Land in den Jahren der Nazi-Diktatur im Großen wie im Kleinen geschehen ist, prägt unser Leben auch noch heute in beinahe all seinen Bereichen.
Was wir reden und denken, wie wir uns positionieren in aktuellen Debatten, wie wir uns verhalten im Umgang mit Fremden und Flüchtlingen, immer schwingen in der Tatsache, dass wir deutsche Staatsbürger sind, die Schrecken der NS- Zeit mit.
Niemand von uns kann sich dem entziehen. Niemand kann dieser Vergangenheit entrinnen. Wie auch immer wir uns selber zu dieser Vergangenheit stellen, uns distanzieren, weil wir damals noch nicht lebten; oder wir es leugnen, dass es damals möglich war Verantwortung zu übernehmen, oder das Ganze verdrängen, um die quälenden Fragen zu ersticken; in unserem Inneren haftet uns diese Vergangenheit an und sorgt nicht selten bis heute für Unfrieden in unseren Seelen.
Was für die Geschichte eines ganzen Volkes gilt, das gilt auch für die Vergangenheit eines jeden einzelnen Menschen. Was wir in unserer Biografie erlebt haben, prägt unser Leben und unsere Persönlichkeit. Das kann durchaus positiv sein, aber auch sehr belastend. Die persönliche Schuld, die verpassten Gelegenheiten - sie hängen uns an, haben Einfluss darauf, wie wir unsere Zukunft gestalten.

Wie ein Gespenst taucht sie oft auf, unsere Vergangenheit, und verhindert, dass es wirklich in unseren Seelen Frieden gibt.
Das dritte Reich nur mit Begriffen wie Zeit des Hasses oder des Bösen zu umschreiben ist denn auch viel zu kurz gegriffen. Die Nazis lehrten nicht den Hass. Sie waren viel schlimmer. Sie lehrten die Verachtung. Jeder Mensch, der nicht der Arier-Ideologie entsprach, war unwertes Leben und zu vernichten.
Sie sprachen diesen Menschen das größte Geschenk Gottes ab, nämlich das Leben selbst.
Liebe statt Hass und Verachtung. Wie anders klingt doch Jesu Lehre als die Ideologie der Nazis. Nicht Verachtung, Kampf und Krieg, sondern Liebe, Barmherzigkeit, Achtung und Frieden.
Dieser Unterschied fiel auch schon Christen im Dritten Reich auf und sie leisteten Widerstand. Widerstand im Heimlichen, im Alltag mit kleinen aber gefährlichen Gesten und Widerstand im Großen mit offener Gegenrede in Ansprachen, Predigten und Aktionen.
Wie seit Beginn der Christenheit gab es auch im Dritten Reich Christen, die es nicht ertragen konnten, gegen Jesu Lehre zu leben.
Für die Gefahr für Leib und Leben weniger wichtig war, als für ihren Glauben einzutreten, denn sie wussten sich geborgen. Geborgen nicht zuletzt in Jesu eigenen Versprechungen in den Seligpreisungen.
„Selig die armen Menschen, die gequält werden, denn sie werden frei sein, wenn Gott König ist." „Selig die Barmherzigen, denn Gott wird sich ihrer erbarmen."
„Selig, die Hunger und Durst nach Gerechtigkeit haben, denn Gott wird sie satt machen."
Und nicht zuletzt: „Selig, die Frieden stiften, denn Gott
wird sie seine eigenen Kinder nennen."
Diesen Versprechungen hat keine Nazi-Ideologie und Kein Hassprediger von heute etwas entgegen zu setzen. Helft den Schwachen und Armen, und unterstützt die, die Für die Schwachen eintreten, das sagt uns Jesus gestern, heute und in Ewigkeit.
Das ist der einzige Maßstab, der für uns gültig ist und sein darf.

Noch ein Letztes, was freilich zum Wichtigsten zählt und uns zusammen schließt mit allen Opfern, gestern wie heute. Jesus Christus ist in die Welt gekommen, um mit seinem Beispielhaften Leben unsere Liebe zu allen Geschöpfen als Gottes Willen einzufordern.
Er hat mit seinem Kreuz und seiner Auferstehung den Horizont des Todes durchbrochen, um uns in das ewige Leben zu retten.
Nicht nur wir, auch unsere Toten haben Zukunft, wie es das Lied vom guten Kameraden am Schluss der 3. Strophe schmerzvoll aber tröstlich ausspricht:
„Kann dir die Hand nicht geben, bleib du im ewigen Leben, mein guter Kamerad. "Oder wie es Johannes XXIII formuliert: „ Unsere Toten gehören zu den Unsichtbaren, aber nicht zu den Abwesenden."