Heute vor 80 Jahren kam der Krieg nach Altenbüren
Heute vor 80 Jahren – damals am Ostermontag – kam der Krieg nach Altenbüren. Willi Mester hat in seinem Buch “Ein Sauerländer Dorf im Zweiten Weltkrieg” die Geschehnisse um Ostern 1945 ausführlich beschrieben, reichlich bebildert und historisch dokumentiert. Und dennoch wird Altenbüren nicht müde, an diese Tage zu erinnern und vor allen der vielen Toten auf beiden Seiten zu gedenken. 25 Häuser gerieten in Brand, Bürgermeister Hermann Dierks wurde von einem US-Soldaten erschossen, obwohl er sich bereits ergeben hatte und waffenlos war. Am 3. und 4. April wurden 38 Deutsche Kämpfer, darunter 18 vom Volkssturm aus Sundern und Neheim, auf dem Dorffriedhof begraben. An der US-Sanitätsstelle im Südfeld zwischen Brilon und Altenbüren sollen 70 tote und verwundete Amerikaner aufgeladen worden sein. Ein Einwohner stieß am 10. April im Eichholz auf sechs durch Genickschuss ermordete deutsche Soldaten. In Krämers Kamp und Roßkammes Kuhle wurden das umgekommene Vieh, 4 Pferde, 82 Stück Rindvieh und über 200 Schweine verscharrt.
Die Zeitzeugen dieser Tage werden weniger – aber es gibt sie noch. Und so trafen sich am 25. März 2025 Theo und Maria Homann, Karl Hohmann, Manfred Göke und Johanna Dietrich, die diese Tage als Kinder erlebt hatten, mit Franz Köster von der Westfalenpost. Heinz Meyer und Annette Kämmerling agierten als Gastgeber im Dorfmuseum und zusammen mit Michael Aufmkolk wurden die Tage nochmals Revue passiert. Ein entsprechender Artikel folgt in Kürze in der Westfalenpost. Auffallendstes Ergebnis: einhellig berichten die damaligen Kinder, eine schöne Kindheit im Dorf erlebt zu haben. Auch im Krieg fehlte es den Kindern an nichts und sie wuchsen wohlbehütet in der Dorfgemeinschaft auf. Die Kriegstage erinnern und erlebten sie sogar eher spannend und aufregend als traumatisierend und belastend. Dies entschuldigen sie natürlich mit ihrer Kindheit und sie berichten, dass einige Kinder im Versteck an der Mühle sogar den Krieg nachspielten und sich mit Tannenzapfen abwarfen – was aber umgehend auch von den Eltern gemaßregelt wurde und “Hausarrest” in der Zufluchtsstätte der Altenbürender Mühle bedeutete. Selbst Theodor Homann berichtet von seinem Krankenhausaufenthalt in Bigge und seiner Verletzung durch einen Granatsplitter in der Kirche eher wie von einem Beinbruch als von einer traumatisierenden Kriegsverletzung: “Damals durften Kinder im Krankenhaus halt keinen Besuch empfangen. Das war hart, aber es war einfach so. Trotzdem hatte ich eine schöne Jugend. Meine Leidenschaft gehörte dem Fußball, der ich dann in der Nachkriegszeit und in den 50er Jahren mit allen Freiheiten nachgehen konnte – wir waren die glückliche Generation, die von dem unmittelbaren Leid des Kriegs verschont wurde!” Dazu Michael Aufmkolk: “Was eure Generation in den 50ern und 60er Jahren im Dorf aufgebaut hat, ist bewundernswert. Ich bin sehr skeptisch, ob die kommenden Generationen euer Werk so weiterführen können wie ihr es erbaut und erdacht habt!” So bleibt die spannende Frage offen, ob die damalige Dorfgemeinschaft diese Stunde wirklich als “Stunde Null” begriff, schon bald mit dem Wiederaufbau beginnen konnte und als Chance sah oder aber die Stunde Null die Urkatastrophe für das Dorf bedeutete, die den Bewohnern gar keine andere Wahl ließ. Die Kinder erinnern sich hier an das Leid der älteren Generationen, die Zeit ihres Lebens um die verlorenen Töchter und Söhne trauerten. Egal wie die Antwort lautet: auch die Kinder erinnern die Stimmung im Dorf damals so, dass man sich gern ergeben hätte, wenn Soldaten sie nicht zum Widerstand gezwungen hätten. Heinz Meyer: “Und daher kann heute natürlich die einzig logische Mahnung an die jüngere Generation sein: es gilt gerade in der heutigen Zeit den Frieden und die Demokratie mit allen Mitteln zu schützen!”
Daher sind alle Dorfbewohner und Interessierten am Sonntag (herzlich eingeladen, im Anschluss an den Gottesdienst (Beginn 11.00 Uhr in der Kirche) mit auf den Friedhof zu kommen, wo Volker Dietrich im Namen der Gemeinde einen Kranz an den Soldatengräbern niederlegen wird. Auch der Musikverein wird die Gedenkfeier umrahmen.
Die Zeitzeugen bzw. damaligen Kinder im Austausch mit Franz Köster und Michael Aufmkolk.
Kleine Anekdote am Rande: Franz Köster zu Karl Hohmann: “Darf ich fragen wie alt sie sind? Das ist ja unglaublich wie genau sie sich an die Zahlen und Ereignisse erinnern!” Karl Hohmann augenzwinkernd: “Ich bin zwar über 90 aber noch topfit. Außerdem habe ich gerade nochmals den Artikel von Lehrer Dregger gelesen!” Auch dieser Bericht ist in Willi Mesters Buch höchst spannend nachzulesen oder auch im Dorfmuseum neben anderen ausführlichen Berichten und Bilder dieser Tage einzusehen.